Nachdem sich unsere u14 Mannschaft bei der Hamburger Meisterschaft knapp qualifiziert hatte, ging es wieder einmal nach Magdeburg zur Norddeutschen Meisterschaft. In den letzten beiden Jahren waren sie denkbar knapp an der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft gescheitert, dieses Mal waren sie entschlossen, es besser zu machen. Doch gleich am Abreisetag erreichte uns eine Hiobsbotschaft, Simon lag krank im Bett und musste wohl die Meisterschaft verpassen. Rafael, der als einziger noch keine NVM-Erfahrung hatte, würde gleich durchspielen müssen, und auch Levi, der mit einer leichten Erkältung zu kämpfen hatte, würde keine Pause bekommen. Auf der Hinreise lief alles glatt und wir wurden von einem etwa dreijährigen zukünftigen Comedystar gut unterhalten.
In Magdeburg angekommen gab es eine kurzfristige Änderung. Da der traditionelle Spielsaal nach drei Jahren noch immer nicht renoviert war und der Gemeindesaal nicht zur Verfügung stand, waren wir dieses Mal beim IHK zu Gast, vielen Dank! Auf dem weitläufigen Platz vor dem Spielsaal konnte man verschiedene Statuen bestaunen und stellte sich dabei meistens die Frage: Was ist das denn für ein Otto? In Magdeburg ist es in der Regel Otto der Erste, oder Otto von Guericke, Entdecker des Vakuums und Namensgeber der Uni. Der etwas weitere Weg machte die Vorbereitung in der Mittagspause vor allem für Ove, der mit Ingke außerhalb der Herberge untergebracht war, noch etwas schwieriger. Dafür war der Saal geräumiger und klimatisiert, was nach den Hitzeschlachten der vergangenen Jahre ein Segen war. Die moderne Soundanlage war ein Segen und ein Fluch. Es dauerte bis zur 5. Runde das wir die Ausrichter davon überzeugen konnten, dass man in ein Mikrofon einfach sprechen kann und lautes Schreien der Konzentration vor einer Schachpartie doch eher abträglich ist.
Am ersten Tag wurden wir ganz nach unten gegen den SC Anhalt gelost. Mit einem lockeren 4 zu 0 konnten wir erstmal etwas Selbstvertrauen tanken. Doch schon in der zweiten Runde ging es gegen die Eilbecker. In der Qualifikation hatten wir noch eine 1,5 zu 2,5 Niederlage eingefahren, die uns zwar nach Brettpunkten die Qualifikation gesichert hatte, aber doch eher uninspiriert war. Doch auch dieser Kampf begann nicht gut für uns. An Brett 1 durfte sich dieses Mal Ove gegen Alexander Wartenberg versuchen. Alexander ist ein sehr talentierter Jugendlicher, unsere Spieler reagieren auf ihn allerdings mit einer Panik, als wäre er der wiedergeborene Bobby Fischer. Wie Magnus zuvor spielte auch Ove viel zu passiv und wurde in kürzester Zeit auseinandergenommen. An 2 spielte Magnus etwas zu ungenau um seinen Gegner Daniel Iachanou (ehemals Sasel) mit Weiß vor Probleme zu stellen, Remis. Levi stand zu solide, versuchte aber zu kreativ zu spielen und verlor. Besonders tragisch war die Niederlage von Rafael, der seinen Gegner wieder einmal völlig überspielte, aber dann in Zeitnot unnötig einstellte. Eine 0,5 zu 3,5 Niederlage stand also zu Buche und es war klar, dass wir wohl nicht in den Kampf um den Titel eingreifen würden. Der HSK sicherte sich am Ende den Vizemeistertitel, herzlichen Glückwunsch! Schön zu beobachten war, dass von der alten verbissenen Rivalität nicht viel zu spüren war. Die Hamburger teilten sich häufig beim Essen einen Tisch und wünschten sich vor den folgenden Runden viel Erfolg!
Gegen Bad Oldeslohe kamen wir zu einem ungefährdeten 3,5 zu 0,5. Magnus musste sich in einer von beiden Seiten fehlerfreien Partie mit einem halben Punkt begnügen. Dann mussten wir gegen die Mannschaft aus Schwerin antreten, ein unangenehmer, da unterbewerteter Gegner. Die Schweriner hatten in der ersten Runde den einzigen Favoritensturz des Turniers verursacht. Unsere Jung behielten aber die Nerven und kämpften sich zu einem in der Höhe etwas glücklichen 4 zu 0. Damit waren wir an Tag 3 wieder ganz oben mit dabei. Es ging gegen die Spitzenmannschaft von Empor Berlin, die bisher noch alles gewonnen hatte. Ove, der mit 3 aus 4 an Brett 1 eine super Leistung gezeigt hatte, bekam es mit Ennio Rodriguez Klasen zu tun. Hier fehlte ihm leider die nötige Selbstsicherheit, um nach vorne zu spielen, seine nur optisch solide Stellung wurde schnell geknackt. Magnus erspielte sich einige Chancen, verlor dann aber den Faden und die Partie. Besser machte es Levi, der seinen Gegner an 3 einfach zusammenschob. Nachdem die schwarzen Figuren kaum noch Felder hatten, sammelte Levi einfach eine Qualität ein, Anschlusstreffer. Rafael kam erst gut aus der Eröffnung, tauschte dann aber seinen schwarzfeldrigen Läufer um einen Freibauern zu bilden. Leider konnte der Gegner nun ungehindert auf den schwarzen Feldern eindringen und Rafael verlor, die Vorentscheidung im Turnier. Empor Berlin wurde am Ende ungefährdet Norddeutscher Meister, herzlichen Glückwunsch!
Dann wartete der nächste Hammer, gegen das Team von der Raisdorfer SG musste ein Sieg her. Angeführt wurden unsere Gegner durch die Aguike Brüder. An 4 konnte Rafael seinen Gegner in die katalanische Mangel nehmen und langsam ausdrücken, 1 zu 0. Levi baute seine Russische Mauer und tauschte langsam ins Damenendspiel ab, Remis. Jetzt war es an Ove zu zeigen, was wirklich in ihm steckt. Gegen Toshi legte er eine absolute Glanzpartie hin. Eine halboffene Linie und ein guter Läufer reichten Ove für einen vernichtenden Königsangriff. Ein unangenehmer Zwischenfall ereignete sich bei Magnus. Er war kurz vor den Spielsaal gegangen und wurde dort von den fertigen Gegnern angesprochen. Nach einer kurzen Unterhaltung wurde er vom wütenden Gegnerischen Mannschaftsführer angefahren, der daraufhin zum Schiedsrichter eilte um sich über Magnus zu beschweren. Die Frustration über den zu diesem Zeitpunkt offensichtlich verlorenen Kampf saß wohl tief. Falls das Ziel war Magnus zu verunsichern, war er leider erfolgreich. Magnus verteidigte gegen den stark aufspielenden Chidera zu passiv und verlor nach einem guten Start ins Turnier auch diese Runde. Mit einem knappen Sieg waren wir jetzt auf Platz 4, diesen galt es gegen die punktgleiche Mannschaft aus Kreuzberg zu halten. Allerdings sah es erstmal so aus, als sollten wir wie im Vorjahr an der letzten Runde scheitern. Magnus spielte erneut zu passiv und handelte sich die nächste 0 ein. Auch Levi war sichtlich mit seinen Kräften am Ende. Ein Treppchenplatz war damit nicht mehr zu erreichen, aber ein 2 zu 2 würde uns noch immer das ersehnte Ticket zur Deutschen liefern. Rafael hatte im italienischen 4 Springerspiel den bewährten Sxe4- Einschlag verwendet und trotz seines exponierten Königs selbst einen vernichtenden Angriff gestartet, einziges Problem war die weiter runtertickernde Zeit. Als Rafael noch 4 Minuten auf der Uhr hatte, gelang jedoch der entscheidende Durchbruch, aus schon lange theoretisch gewonnener Stellung. Die 30 Sekunden pro Zug reichten jetzt, um das Ding nach Hause zu bringen. Einmal wieder hing alles an Ove, der in einer leicht besseren aber völlig geschlossenen Stellung irgendwie durchbrechen musste. Ove wartete erstmal ab. Die Gegnerin tat ihm zum Glück den Gefallen, selbst die Stellung zu öffnen. Das ließ Ove sich nicht nehmen. Seine Schwerfiguren drangen durch die plötzlich offene E-Linie ein und er gewann. Der rettende 4. Platz war gesichert und unsere lange Durststrecke bei Norddeutschen ist damit beendet. Wir können davon träumen, in den nächsten Jahren auch wieder ganz vorne im Jugendschach mitzumischen.
(Max Borgmeyer)
Alle Ergebnisse gibt es hier: https://dvm.schnix.de/Magdeburg/Tabelle/NVM/2025/U14/
