Deutsche Vereinsmeisterschaft U14 vom 26.-30.12.2025 in Plauen

5. Januar 2026

Nach einem verkürzten Weihnachtsfest machte sich die U14-Mannschaft am 26.12.2025 mit Ove, Levi, Magnus, Rafael und Simon auf die weite Reise nach Plauen zur Deutschen Vereinsmeisterschaft. Als Betreuer waren Max und Ingke dabei. Vielen Dank an die Ausrichter von König Plauen, die kurzfristig eingesprungen waren, nachdem Bayern München kurzfristig als Ausrichter ausgefallen war.

Meine (Ingkes) Befürchtungen, wir würden aufgrund der geplanten zwei Umstiege irgendwo auf freier Strecke stranden, waren unbegründet. Dank des ausgesprochen freundlichen Bahnpersonals, die uns den Weg durch die Menge bahnten, erreichten wir im Laufschritt den Anschluss in Leipzig und pünktlich das Ziel, die wunderschöne historische Jugendherberge „Alte Feuerwache“. Die von einer weiteren freundlichen Schaffnerin in Aussicht gestellte Feuerwehrstange konnte leider nicht genutzt werden. Dafür bekamen wir noch eine kleine Einführung in die Plauener Geschichte, die Mittelalterliche Innerstadt hat immer noch ihre Stadtmauer und einige Historische Kirchen, die vor allem als Ort der friedlichen Revolution gegen das DDR-Regime bekannt sind. Bei der in der Nähe ausgetragenen Völkerschlacht traten sich die Plauener vor allem durch die Versorgung der Verwundeten hervor.

Vorbereitung war nicht mehr möglich, denn erst um 21 Uhr abends stand die Auslosung für Runde 1 gegen Raisdorfer SG, fast ein Heimspiel. Die Raisdorfer waren hoch favorisiert und hatten mit uns noch eine Rechnung ausstehen, nachdem wir ihnen bei der NDVM mit einem knappen Sieg in der 6 Runde die Qualifikation verhagelt hatten (als eindeutig stärkste nicht qualifizierte Mannschaft waren sie nachgerückt). Für Ove an 1 war es ein Wiedersehen mit Toshi Aguike, einem echten Spitzentalent, Fans unserer U14 werden sich an Oves spektakulären Sieg bei der NDVM erinnern (Partie des Jahres bei der Weihnachtsfeier). Erneut war es Ove, der in die Offensive ging und sich Chancen herausspielte. Toshi war aber dieses Mal besser vorbereitet und verteidigte präzise, sodass Ove sich mit einem Remis zufriedengeben musste. Den ersten Schlag setzte Magnus mit Schwarz! Magnus hatte eine Saison zum Vergessen hinter sich, hier saß allerdings der alte Magnus am Brett, sein theoretisch favorisierter Gegner wurde aus der Eröffnung völlig überrollt und Magnus spielte eine studienartige Partie mit diversen Opfern. Die vermutlich schwierigste Aufgabe hatte an 2 Levi, der gegen Chidera spielen musste. Levi verlor schnell das Rochaderecht und musste sich in ein Endspiel retten, in dem ihm leider die nötige Technik fehlte, um dem erneut starken Chidera ausreichend Widerstand zu leisten. Mentor Willi Skibbe weiß Bescheid, dass „Grundlagen der Schachendspiele“ von Frank Lamprecht und Karsten Müller, sowie „Fit im Endspiel“ von Bernd Rosen auf dem Trainingsplan stehen. An Brett 4 zerlegte Simon seinen Gegner nach allen Regeln der Kunst in einer an Trainer Petzi (Dr. Jan Peter Schmidt) erinnernden Partie. Leider machte sich bei Simon eine gewisse konditionelle Schwäche bemerkbar und bei der Überleitung ins Endspiel unterliefen ihm einige schwere Schnitzer. Simon fing sich aber wieder und verteidigte mit einer Qualität weniger genau 2 zu 2. Insgesamt ein ordentlicher Einstieg ins Turnier.

Die nächste Aufgabe in Runde 2 am Nachmittag gegen Turm Schiefbahn wirkte lösbar: starke Gegner an Brett 1 und 2, aber schwächere Gegner an 3 + 4. Leider machte der Gegner seinem Namen gleich alle Ehre: Magnus wurde trotz wiedergefundener Form in der Eröffnung auf dem falschen Fuß erwischt, übersah einen Abzugsangriff auf Dame und Turm und, naja, den erstbesten Kalauer überlasse ich gerne der geneigten Leserschaft. Dafür konterte Levi mit einem Najdorf, der in der WhatsApp-Gruppe bei den Trainern Bewunderung auslöste, ein Bilderbuchangriff auf der C-Linie wurde mit einem gut getimten durchbruch mit dem thematischen d5!! zu Ende gebracht, der Ausgleich! Der Einstand des extra aus Frankreich angereisten Rafael (Celia brachte ihn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, nachdem Christophe bei der DVM U10 in Stuttgart abgeliefert wurde) sah zunächst auch gut aus, doch sein für alle Beteiligten nervenaufreibendes Zeitmanagement sorgte im 31 Zug mit einer Minute auf der Uhr für einen schweren Patzer, 1:2. Bei Ove kam mit Pirc Max´ mittägliche Vorbereitung aufs Brett und verschaffte ihm eine angenehme Stellung. Im Mittelspiel ging es für beide Seiten auf und ab, man merkte Beiden irgendwie an, dass es bereits die zweite lange Partie des Tages war, bis Ove sich als vorletztes Brett im Saal geschlagen geben musste.

In Runde 3 wartete an Stelle eines leichteren Loses die an 2 gesetzte Auswahl von Werder Bremen. Levi spielte erneut stark, verpasste aber im besseren Bauernendspiel 2-mal den Gewinn, Remis. Rafael bekam es mit Holländisch zu tun, der etwas fragwürdige Aufbau wurde von Rafael in einer positionellen Glanzpartie auseinandergenommen, 1,5:0,5. Magnus hatte die ganze Partie über zu kämpfen, bekam im Endspiel die Chance auf Remis, fiel aber einem Fall von temporärer Schachblindheit (einzügiger Einsteller) zum Opfer. Ove machte mal wieder Überstunden und musste nach 5 Stunden als Letzter aus dem Saal gefegt werden – leider ohne Punkt. Ähnlich wie Magnus hatte er lange beherzten Widerstand geleistet, stellte dann aber kurz vor dem Remis im Endspiel seinen Springer ein. Obwohl wir gezeigt hatten, dass wir mit den „Großen“ mithalten können, fanden wir uns im Tabellenkeller wieder.

In Runde 4 gegen 1. Eichsfelder SC spielte Ove gegen Jonathan Franz Meitzner, gegen den er nach seiner Niederlage bei der U10 Deutschen Einzelmeisterschaft 2024 noch eine kleine Rechnung offen hatte. Levi übernahm mit Schwarz schnell die Kontrolle, in bereits sehr angenehmer Stellung sammelte er einfach den auf f1 eingesperrten Turm des Gegners ein, 1:0. Magnus entkorkte erstmals seinen auf der Hinfahrt einstudierten c3-Siz, offensichtlich eine gute Entscheidung, denn Magnus konnte schnell gewinnen. Ove erspielte sich eine angenehme Stellung mit Raumvorteil. Als kurz darauf Oves Gegner Remis anbot, nahm Ove dankend zum Mannschaftssieg an. Simon lief zunächst einem Rückstand hinterher, konnte dann aber in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abwickeln, sodass es auch hier noch einen halben Punkt gab!

In Runde 5 ging es dann gegen SC Einheit Bautzen, die mit Lorenz Hempel ein sehr starkes Brett 1 vorweisen konnten. Ove konnte lange mithalten, verpasste aber zum Gegenangriff überzugehen, nachdem er einen Bauern verloren hatte. Magnus fand sich mit wenig Zeit in einem schwierigen Endspiel wieder, hielt aber irgendwie das Remis. Levi startete einen etwas überoptimistischen Angriff, der aber überraschenderweise durchschlug, 1,5:1,5. Nun lag es an Rafael, den Sieg nach Hause zu holen – etwas Mühe kostete es zwar noch, und auch Nerven, denn nach 20 Zügen war Rafael ganz nach Rafael-Art schon in Zeitnot … Trotzdem konnte er mit einer Dame gegen 2 Türme den Gegner gekonnt ausmanövrieren und einige Bauern einsammeln. Die Türme wurden nie erfolgreich koordiniert und im 50 Zug konnte Rafael einen Turm einsammeln, 2,5:1,5.

In Runde 6 trafen unsere Königsspringer auf Bayern München mit einer starken jungen Truppe, die an allen Brettern relativ ausgeglichen waren. Für Max war die Aufgabe als Orakel heute nicht einfach: von „Levi ausgeglichen, alle Anderen mit mehr oder weniger Vorteil“ über „Magnus hat gewonnen, aber bei den Anderen sieht es nicht so rosig aus“ über „jetzt sollte Ove es aber nach Hause bringen, Simon verliert“. Levi stand lange ausgeglichen, wickelte aber in ein schlechtes Turmendspiel ab und verpasste es, seinen Turm zu aktivieren. Da passive Verteidigung mit dem Turm vor dem gegnerischen Freibauern so gut wie nie funktioniert, verlor Levi folgerichtig. Magnus bekam seine Lieblingsitalienischvariante aufs Brett und konnte an seine wiedergefundene Form anknüpfen. Er sammelte einen Bauern ein und erzwang schnell den Damentausch, um das resultierende Gegenspiel des Gegners zu entschärfen, 1:1. Simon fand sich in einem schwierigen Endspiel wieder, konnte aber seinen Läufer gegen den gegnerischen Freibauern tauschen und mit einer studienartigen Kombination das Remis erzwingen, 1,5:1,5. Nun war es an Ove, den Kampf nach Hause zu bringen, leider einigte er sich in Gewinnstellung friedlich auf Remis, beide Kontrahenten hatten die Stellung wohl fälschlicherweise als Remis eingeschätzt, 2:2. So gab es nochmals einen Mannschaftspunkt, aber man musste wohl eher den verpassten Gelegenheiten hinterhertrauern.

Den Turniersieg sicherte sich bereits in der 6. Runde die Mannschaft von Empor Berlin, die schon die Norddeutsche gewonnen hatte. Empor war etwas wackelig ins Turnier gestartet wurde aber mit jeder Runde souveräner und gewann am Ende verdient mit unglaublichen 14:0 Mannschaftspunkten. Für die anderen Norddeutschen Mannschaften lief das Turnier, das von der Setzliste eher wie ein Rematch der NDVM aussah, dafür weniger rosig.

In Runde 7 traf man auf die Gastgeber, SK König Plauen, der erste vermeintlich schwächere Gegner am Ende eines harten Turniers. Rafael machte sich seiner Freude über das vermeintlich leichte Los etwas lautstark Luft, was ein Plauener Trainer leider mitbekam. Rafael entschuldigte sich natürlich sofort, aber der Ehrgeiz der Gastgeber sich noch einmal zu beweisen war damit weiter angespornt. Eine Deutsche Meisterschaft bedeutet, dass auch die vermeintlich schwachen Gegner Schach spielen können und alles geben. So kam es dann auch. Rafael wurde in der Eröffnung durch eine Zugfolgeänderung aus dem Konzept gebracht und griff zu übermütig an, bevor er entwickelt war. Der Angriff verpuffte und es tauschte sich eine Menge. Rafaels verbliebende Figuren wurden gekonnt in eine Packet am Königsflügel geschnürt und es sah nach einer Niederlage aus. Levi vergaß leider seine Vorbereitung und bekam nie Gewinnchancen, da er ansonsten fehlerfrei blieb, endete die Partie schnell Remis. Ove kam gut aus der Eröffnung ließ sich aber in eine etwas unangenehme Stellung manövrieren. Zum Glück war er es dieses Mal, der ein Remis geschenkt bekam, 1:1. Rafael opferte den h-Bauern, um seinen auf h8 eingesperrten Turm zu befreien, und rettete sich kurz darauf in eine dreifache Stellungswiederholung. Jetzt war es an Magnus den Sieg nachhause zu bringen. Glücklicherweise war sein c3-Siz erneut eingeschlagen und er konnte einen ungefährdeten Sieg einfahren. So standen am Ende 8:6 Mannschaftspunkte und der 10. Platz zu Buche. Hierbei hatten wir etwas Pech mit der Feinwertung, denn von Platz 4 bis 10 hatten alle Mannschaften 8 Punkte. Nach einem Setzlistenplatz 14 und meist mehr oder weniger hoch favorisierten Gegnern konnten wir das Turnier auf jeden Fall als Erfolg verbuchen. Wir hoffen, dass wir auf DVMs in den kommenden Jahren wieder ein häufiger Gast werden können. Auf der Rückfahrt bekamen wir zum Glück eine Bahn früher, sodass wir uns noch etwas essen konnten.

Auf der langen Fahrt im ICE von Leipzig nach Hamburg wurden bereits gute Vorsätze für das neue Jahr formuliert. Dass alle mehr trainieren wollen war natürlich schön zu hören. Ob der Plan, mit dickwandigen Brillen und schlechten Haarschnitten zu “nerdmaxen”, aufgeht und in besseren Schachergebnissen resultiert, wage ich (Max) an dieser Stelle zu bezweifeln.

(Ingke Braren und Max Borgmeyer)