Bei der diesjährigen Hamburger U10-Mannschaftsmeisterschaft, die vom 26.-27. September ausgetragen wurde, waren wir wie schon im letztes Jahr Gastgeber. Die von Ingke Braren und Simon Fischer organisierte Elterniniative stellte mit Hotdogs und Waffeln einmal mehr die Verpflegung der zahlreichen Spieler und Begleitpersonen sicher. Ein großes Dankeschön allen Helferinnen und Helfern!
Auch schachlich wollten wir uns von unser besten Seite zeigen und einen der zwei begehrten Qualifikationsplätze für die Deutschen Meisterschaft ergattern. Fiete Fischer und Christophe Kolesnikoff hatten gerade noch wertvolle Erfahrungen auf der NDVM U12 sammeln können, an den Brettern 3 und 4 sollten Levin Schmidt und Ray Toll auf Punktejagd gehen. Mit dem HSK und Blankenese waren allerdings noch zwei Teams vor uns gesetzt, und generell versprach das dichte, aus neun Mannschaften bestehende Teilnehmerfeld ein enges Rennen.
Tatsächlich strauchelten unsere Jungs denn auch schon gleich in Runde 1 gegen das auf dem Papier klar unterlegene Team aus Bergstedt. Zwar gewannen Fiete und Ray souverän, doch agierten Christophe und Levin äußerst unglücklich. Levin verschenkte erst den Sieg und dann das Remis, während Christophe mit der im Vergleich zur NDVM kürzeren Bedenkzeit nicht zurecht kam und seine schön gespielte Partie nicht über die Zeit bringen konnte.
Noch schlimmer kam es in Runde 2, also gegen Weiße Dame zwischenzeitlich gar ein 0:4 zu befürchten war. Zwar bekam Fiete in hoffnungsloser Stellung noch ein Remis geschenkt und konnte Levin seine Stellung zum Sieg drehen, doch war bei Christophe und Ray nichts mehr zu machen. Spätetens nach dieser Niedelage war klar, dass unsere Spieler nicht ihren besten Tag erwischt hatten.
In Runde 3 konnte gerade noch das Freilos abgewendet und Wilhelmsburg als Gegner gezogen werden. Ray schoß zwar den schnellen Führungstreffer, doch stellten die übrigen drei Partien die Nerven des Betreuers und Berichterstatters auf eine harte Probe. Christophe, dem offenbar immer noch seine kräftezehrende Niederlage aus Runde 1 in den Knochen steckte, hatte durch eine simple Taktik früh eine Leichtfigur verloren, Fiete machte es in klarer Gewinnstellung durch einen Figureneinsteller wieder spannend, und auch Levin agierte wenig souverän. Sein unabgesprochenes Remisangebot sicherte immerhin einen halben Punkt ab. Fiete erarbeitete sich zum zweiten Mal eine Gewinnstellung, die er nun auch nach Hause brachte. Gebtrübt wurde der erste Mannschaftssieg durch eine weitere sehr unglückliche Niederlage Christophes, der sich in die Partie zurückgekämpft hatte, nur um dann den einfachen Sieg und schließlich sogar noch das Remis wegzuwerfen.
Eine positive Sache konnten wir dem “gebrauchten” Tag 1 des Turnier immerhin abgewinnen: Der Zug in Richtung Qualifikationsplätze war so gut wie abgefahren, sodass wir an Tag 2 befreit aufspielen konnten.
In Runde 4 wurden wir hochgelost zum Tabellenführer aus Blankenese, der bis dahin alle Matches gewonnen hatte. Levin verlor schnell, aber Ray sorgte für den raschen Ausgleich. Dramatisch ging es bei Christophe zu: Nach guter Eröffnung verlor er den Faden und verbrannte wieder viel Bedenkzeit. In schwieriger Stellung steckte aber aber nicht auf, sondern suchte nach Gegenchancen. Sein Gegner ließ sich, obwohl noch viel Zeit auf der Uhr, zum Mitblitzen verführen und stellte einen Turm ein. Nun bewies Christophe eiserne Nerven und brachte das Endspiel mit seinen letzten Sekunden nach Hause. Fiete musste dadurch an Brett 1 nichts mehr riskieren und konnte in besserer Stellung Remis machen. 2,5:1,5!
In der fünften und letzten Runde kam es damit zu dem zwischenzeitlich kaum noch für möglich gehaltenen Endpsiel um Platz 2 gegen den HSK. Bei Levin war nach einer anstrengenden Woche leider der Akku komplett leer, sodass wir schnell in Rückstand gerieten. Dafür zeigte Ray erneut eine starke Leistung und gewann sicher. Bei Fiete zeichnete sich ein Remis ab, sodass erneut alles an Christophes Partie hing. In der Eröffnung hatte er mutig einen Bauern für aktives Spiel geopfert, und nach einer Unachtsamkeit seines Gegners erhielt er die Gelegenheit zu einem Läufereinschlag auf h2, die er sich nicht entgehen ließ. Würde Christophe nach seinem rabenschwarzen Tag 1 doch noch zum Helden werden? Die Chance war zum Greifen nah, aber zwischen zwei verlockenden Angriffszügen entschied sich Christophe leider für den schwächeren. Sein Gegner nutzte die Chance, bremste Christophes Angriff aus und bot Remis. Die Stellung war weiterhin hochkomplex, aber Christophes Bedenkzeit fast aufgebraucht. Er nahm deshalb von seinen Gewinnversuchen Abschied und willigte ins Remis ein.
Das 2:2 verschaffte uns die Genugtuung, den internen Wettkampf gegen Blankenese und HSK gewonnen zu haben, ließ uns aber mit dem undankbaren Platz 3 und leeren Händen zurück. In der letzten Runde fehlte nur ein halber Punkt bzw. ein letzter präziser Angriffszug, doch die eigentlich entscheidenden Fehler waren natürlich schon am Vortag passiert.
Trotz der Enttäuschung über die so knapp verpasste Qualifikation ist Platz 3 in einem so starken Feld natürlich auch ein Grund zur Freude. Das stärkste Einzelergebnis konnte Ray mit 4/5 vorweisen. Er hatte nur einen schwachen Moment in Runde 2 und gewann alle übrigen Partien klar. Wie man hört, ist er fleißiger Nutzer der neuen Trainingsapp von Jakob Pfreundt 😉 (https://kaizen64.com/train). Auch Fietes 3,5/5 am starken Brett 1 konnten sich sehen lassen, kamen allerdings nicht ganz unfallfrei zustande.
Christophe und Levin erwischten leider nicht ihre besten Tage, zeigten aber auch so das in ihnen steckende Potential. Dem Traum von der Hambuger Mannschaftsmeisterschaft werden wir weiter nachjagen!
Alle Ergebnisse gibt es hier: https://ergebnisdienst.hsjb.de/component/clm/?view=rangliste&saison=5&liga=70&Itemid=0
(Jan Peter Schmidt)
