Bei der Hamburger Meisterschaft hatten wir noch mit Ersatzproblemen zu kämpfen, Brett 2 Fiete war verhindert und Brett 1 Ove musste sich mitten im Turnier auf den Weg zur u12 Weltmeisterschaft machen (“suffering from success”). Trotzdem konnte trotz einer knappen Niederlage gegen den HSK die Qualifikation als Hamburger Vizemeister gesichert werden. So ging es einmal wieder ins schöne Magdeburg. Es spielten Ove, Fiete, Luan, Eli und Christophe, als Betreuer waren Simon F. und Max B. (Autor) dabei. Wir trafen uns in Harburg, da keine Züge ab Hauptbahnhof Richtung Magdeburg fuhren, dort wurden wir erstmal mit dem Phänomen eines Phantomzugs konfrontiert. Laut DB- Navigator war unser Zug ein- und abgefahren, wir und alle anderen Fahrgäste hatten aber keinen Zug gesehen. Um 21.00 Uhr waren wir dann endlich in Magdeburg angekommen. Viel Zeit für Vorbereitung war nicht mehr, nachdem die Zimmer bezogen waren, ging es direkt ins Bett.
Wir waren an 9 von 18 gesetzt, so ging es gegen es gegen die Mannschaft von Roter Turm Halle, diese war noch sehr jung und teilweise mit Spielern ohne vorherige Turniererfahrung besetzt, die Qualifikation zur NDVM war bereits ein riesiger Erfolg. Unsere Mannschaft war dann aber doch eine Nummer zu stark und wir gewannen souverän mit 4:0. In der nächsten Runde ging es bereits gegen die an 3 gesetzte Mannschaft von Kreuzberg, die im Schnitt um 100 DWZ favorisiert war. Fiete an 2 kam an Brett 2 als erster unter die Räder, da er zu schnell spielte. Allerdings hatte er noch einen Trick, der funktionierte zwar eigentlich nicht, schockte seine Gegnerin aber so, dass sie die Verteidigung nicht sah und aufgab, 1:0. Ove war besser aus der Eröffnung gekommen, der Gegner versäumte es zu rochieren, da die Damen früh getauscht wurden und er wohl die Gefahr nicht sah, Ove brach im Zentrum durch und gewann eine Figur 2:0. Luan hatte im Najdorf zwei Pläne für Weiß vermischt, er griff beherzt an, doch seine positionellen Probleme waren zu groß, 2:1. Jetzt war es an Eli, das Ding nach Hause zu bringen. Er kam gegen den Katalanen erst schlecht raus, opferte dann aber geschickt einen Bauern, um den katalanischen Läufer mit einem weißen Bauern auf e4 zu blockieren, der wiederum von einem schwarzen Springer auf e5 kaltgestellt wurde. Nach langem Kampf waren beide Spieler in Zeitnot, aber Eli behielt die Nerven und machte die Sensation mit einem Damenfang auf offenem Brett perfekt.
Am nächsten Tag würden also zwei weitere Hochkaräter auf uns warten. Zuerst ging es gegen Oberschöneweide (ebenfalls aus Berlin), die an 2 gesetzt und im Schnitt um 200 DWZ favorisiert waren, wobei Ove der Einzige war, der Rafael Bergmann einen etwa gleichstarken Gegenspieler hatte. Fiete war zwar besser aus der Eröffnung gekommen, musste aber schnell die Segel streichen, nachdem er eine Qualität verloren hatte. Allerdings waren wir weiter guter Dinge, Ove hatte zwar einen Bauern weniger, kämpfte sich aber zusehends in die Partie zurück, Christophe zerlegte die gegnerische Königsstellung nach allen Regeln der Kunst und war drauf und dran, matt zu setzen. Luan hatte eine spektakuläre Angriffspartie geliefert, die vermutlich bis dahin beste seiner jungen Schachkariere, und hatte nun im Damenendspiel fünf Bauern mehr, er wehrte alle Dauerschachversuche ab und gewann sicher (1:1). Christophe wollte es nun leider zu hübsch machen, er opferte zwei Türme, um das Matt zu erzwingen, vergaß aber, dass das dem Gegner erlaubte, eine Dame und einen Bauern zurückzuopfern, um bei ausgeglichenem Material anzukommen. Ove hatte zwar ein vorteilhaftes Endspiel erreicht, fiel aber der knappen Zeit zum Opfer und willigte in ein Remis ein. Christophe erkämpfte sich durch geschickte Damenmanöver einen Vorteil und gewann einen weiteren Bauern, bei knapp werdender Zeit musste er aber ebenfalls die Gewinnversuche einstellen und willigte in ein Remis ein. Der Kampf war der mit Abstand längste der Runde und unsere Spieler waren bereits sichtlich erschöpft.
Uns sollte aber keine Pause gegönnt werden, denn in der nächsten Runde wartete die nächste Berliner Mannschaft, die an drei gesetzten Kreuzberger. Hier machte sich jetzt die Klasse der Gegner und unsere Erschöpfung bemerkbar. Luan verlor schnell, Eli spielte leider bereits leicht angeschlagen und wurde aus der Eröffnung überspielt, er kämpfte sich noch einmal mit aller Kraft zurück in die Partie, um dann in bereits besserer Stellung tragischerweise die Dame an einen Spieß zu verlieren. Christophe war ebenfalls in der Eröffnung überspielt worden, kämpfte sich aber nochmal zurück, in hoher Zeitnot fand er dabei aber das Matt nicht und musste erneut in ein Remis einwilligen, Christophe hatte damit über 9 Stunden an einem Tag gespielt. Bei Ove wurde es tragisch, nach der Zeitkontrolle war auch die zusätzliche halbe Stunde schnell verbraucht und er spielte nur noch auf 30 Sekunden Inkrement. In einem völlig ausgeglichenen Endspiel zog er einmal nicht schnell genug und verlor auf Zeit. Ove nahm es äußerlich mit stoischer Ruhe.
Nach diesem harten Kampf gab es erstmal ein Eis und einen kleinen Spaziergang durch die Magdeburger Altstadt, dabei brachte Fiete durch beharrliches Nachfragen mein Halbwissen über die Geschichte Magdeburgs an seine Grenzen. Dann ging es wieder an die Vorbereitung, denn die Auslosung ließ uns langsam an der Gerechtigkeit des Schweizer-Systems zweifeln: An Stelle eines etwas leichteren Gegners mussten wir nun gegen Werder Bremen ran, die an 5 gesetzt waren. Wer aufgepasst hat wird feststellen, dass wir nun gegen 3, 4, 2 und 5 der Setzliste gelost worden waren.
Der Kampf ging gut los, Ove trug einen sehenswerten Angriff vor, Läuferopfer auf h7 inklusive und brachte uns früh in Führung, die Zeiten des mausgrauen Schachs liegen zusehends hinter Ove, stark! An zwei hatte Fiete schnell aus seinen Fehlern gelernt und versuchte, so solide wie möglich zu spielen und seine Zeit ordentlich einzuteilen. Viel Spiel nach vorne entwickelte er aber nicht, sodass die Partie in ein Remis austrudelte. Bei Luan wurde es spannend, er stellte erst eine Figur ein, spielte dann aber stark weiter, gewann sie zurück, leider unter Verlust eines Bauern, was ihm im Schwerfigurenendspiel zum Verhängnis wurde. Eli überspielte seinen Gegner aus der Eröffnung und bildete zwei verbundene Freibauern, leider ließ er sich bei knapper werdender Zeit auskontern und landete in einer völligen Verluststellung diese wurde irgendwie in ein Turmendspiel gerettet, dass dann fairerweise in einem Remis endete, 2:2 gegen den nächsten favorisierten Gegner.
Das Lospech verfolgte uns noch weiter, denn jetzt wartete die Nr. 1 der Setzliste, der spätere Norddeutsche Meister HSK, herzlichen Glückwunsch nochmal an dieser Stelle! Zum Kampf gibt es wenig zu sagen, anders als noch bei der Hamburger Meisterschaft war es nicht knapp. Der HSK hatte sich souverän an die Spitze der Tabelle gesetzt, während unsere Jungs konditionell bereits völlig am Ende waren, die 3,5:0,5 Klatsche kam daher nicht ganz überraschend. Den halben Ehrenpunkt holte Luan, der sich in ein ausgeglichenes Endspiel rettete. Damit war leider die Qualifikation außer Reichweite. Diese wäre mit etwas mehr Glück bei der Auslosung durchaus drin gewesen. Am Ende ging es noch gegen Lübeck, Eli verlor leider schnell, der nach einem Ruhetag wieder frisch aufspielende Christophe gewann dafür souverän. Ein Tempoverlust in der Eröffnung durch den Gegner reichte Christophe, um einen durchschlagenden Angriff zu entwickeln. Luan war erneut durch eine Unkonzentriertheit ins Hintertreffen geraten, auf ein Neues nutzte er aber taktische Finesse und Kampfgeist, um ein Comeback zu starten. Die Endstellung wäre sogar besser gewesen, aber die Zeit war zu knapp und Luan wiederholte lieber 3-mal die Stellung, anstatt noch weiter ins Risiko zu gehen. Bei Ove trudelte eine recht ereignisarme Partie ins Remis aus. So landeten wir am Ende mit 7 Mannschaftspunkten und der höchsten Buchholz im Turnier au dem 7. Platz. Alle Ergebnisse gibt es hier: https://dvm.schnix.de/Magdeburg/index/NVM/2026/U12/
Woran müssen wir arbeiten? Zeitmanagement in beide Richtungen ist ein großes Thema, die optimale Zeiteinteilung ist irgendwo auf dem Spektrum von Fiete bis Ove. Außerdem ist Ausdauer und Turnierhärte und die Einteilung der Kräfte ein wichtiges Thema. Frühe Ungenauigkeiten und schlechte Chancenverwertung durch puren Willen auszugleichen, geht einfach an die Kräfte und sorgt für ständige zermürbende Zeitnotschlachten. Für die Endplatzierung ist ein starker Schlussspurt häufig besser als ein beeindruckender Start (Anm. d. Red.: Die Richtigkeit dieser These wurde eindrucksvoll durch unsere U16-Mannschaft belegt).
Rückblickend muss man aber sagen, dass wir zwei Plätze über dem Setzplatz gelandet sind, 112 DWZ in der Summe mit nach Hause nehmen und den Toppmannschaften in Norddeutschland zumindest einen harten Kampf liefern können. Als U12 Mannschaft haben sie noch eine Menge Meisterschaften vor sich, und wenn alle am Ball bleiben, werden die Erfolgserlebnisse folgen.
Auf der Rückfahrt erlebten wir ein weiteres DB-Abenteuer, dieses Mal durch eine beschädigte Oberleitung. Die Wartezeit wurde fleißig genutzt, um das Taktikrating auf Jakobs neuer Website nach oben zu treiben (https://kaizen64.com/train).
Für zwei Spieler gibt es nur eine kurze Verschnaufpause, am 26 und 27.09 findet bei uns im Clubheim die Hamburger Mannschaftsmeisterschaft U10 statt für uns am Start sind: Fiete, Christophe, Levin und Ray.
(Max Borgmeyer)


